Wochenrückblick Ende_Nov_13

Heyho,

liebe LeserInnen. Hier ist der blumseltsame Wochenrückblick, Ende November, 2013. Es geht um mediale Meinungsbildung, Glück und meinen kleinen, aber feinen Berlin-Besuch.

Verlagsgruppen, sogenannte Medienhäuser, haben oft Kosten und Mühen gescheut, rationalisiert, Prozesse vereinfacht und ihre Arbeit profitorientiert ausgerichtet, sodass wir nun flächendeckend mit ein und der selben Meinung (-sbildung) versorgt werden. Auch die hier im Norden tätige sh:z  ist ein Medienhaus, mit 20 Tageszeitungen. Die Kritik, zum Beispiel auf dem rechten Auge Blind zu sein, soziale Missstände zu ignorieren, oder zu verharmlosen, trifft, zumindest hier im Norden, oft einzelne Tageszeitungen - was ich wirklich ungerecht finde…

Denn das ist doch ein flächendeckendes Phänomen, gebacken im Ofen der Medienhäuser. EURE Probleme verkaufen sich eben nicht so gut, regen keine gewünschten Emotionen an und wetten zu alledem auch noch gegen die, der Verlagsgruppe nahestehenden Partei – UND DAS GEHÖRT SICH EBEN NICHT!

Genug abgelabert … Die regionale Tageszeitung griff natürlich auch die beschissene Glücksstudie, den Glücksatlas, mehrfach auf, und gern verkündete die sh:z, dass die Schleswig-Holsteinischen BürgerInnen arm, aber glücklich seien.

Du musst schon komplexe Zusammenhänge herstellen, am besten die kombinatorische Fähigkeit aus Sherlock Holmes Genpool geerbt haben und, um zu weiterführenden Antworten zu kommen; eben gewisse Fragen stellen. Zum Beispiel: Wie es denn bei diesen Missständen sein kann, dass die norddeutsche Bevölkerung dermaßen zufrieden ist? Und unter höchster Konzentration, das Potential Deines Hirns zu 0,99% ausschöpfend, findest Du dann auch die Antwort auf diese verzwickte Frage, sogar innerhalb der sh:z Nachrichten. Hier wird dann auch deutlich, dass die Pozilei auf unser aller Glück neidisch ist, weshalb sie sich so sehr anstrengt, es uns zu vermiesen.







Nun gibt es an der Medienlandschaft hierzulande viel zu kritisieren, sicherlich. Doch wo geht die Reise in Sachen Medien und Kultur hin? Wie sieht es in anderen Teilen der Medienwelt aus? Lohnt sich nicht ein Blick, vielleicht nach Japan, um vielleicht herzuleiten, was uns erwartet? Jedenfalls verschlang ich diese kritische Artikelreihe, über Medien in Japan förmlich. Vielen Dank für die Arbeit! Und ich werde mich in Zukunft noch etwas mehr mit Adorno beschäftigen.

Vielleicht finde ich dort auch eine Antwort auf die Frage, warum ich mich in dieser Gesellschaft so gerne berummel und mich damit versuche, von meinen bitteren Aussichten abzulenken.

Einige bittere Aussichten haben, seit meinem Umzug von Berlin in die nördliche Provinz, an Tiefenschärfe gewonnen. In anderen Bereichen bin ich dafür nicht mehr so nah dran und versuche dem online entgegen zu wirken.

Zum Beispiel habe ich in der Provinz eine Menge Stress bekommen, wenn ich aufstehe und etwas gegen homophobe Witze sage, oder gegen *ismus protestiere. Das führte dann auch zu unsäglichen Grunddiskussionen, ob Protest sinnvoll ist und harmonisierendes Maul-halten nicht die bessere Variante. So wie ich faschistische Ideologien verurteile (also SELBSTVERSTÄNDLICH nicht das ich...), schaffe ich »Bad Vibes«! Haha, ja, das Toneargument, um inhaltlich davon zu fliegen!

Ich denke, ich genieße außerdem das Privileg, dass die Leute nicht so genau einschätzen können, ob sie mich nun ohne Verluste verprügeln können, oder nicht. Jedenfalls hab ich noch nichts auf die Fresse bekommen, wenn ich mich da so hin stellte und sagte, was ich beschissen finde. Dafür hielten sie mich schon für schwul. Weil ich Homophobie nicht mag und ein Mann bin. Muss ich wohl schwul sein...

Es ist für mich in der Provinz einfach schwer, auf Leute zu treffen, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, *ismus zu reflektieren und dagegen zu protestieren. In Berlin ist das noch anders und das fehlt mir: Leute, die ich für »völlig normal« halte.

Doch auch immer wieder gibt es Überraschungen. Letztens, in der hiesigen regionalen Lieblingskneipe, konnte ich mich zurücklehnen und zuhören, wie die Barkeeperin dem Gast einen vertellt, nachdem dieser rassistisch wurde. Da wuchs dann auch kein Gras mehr und war unmissverständlich. Es tat einfach gut, einmal nicht »der Verrückte« und einzige zu sein, der sich wegen soetwas aufregt - was für den Abend in der hiesigen Kneipe, als auch für den letzten kurzen Besuch in Berlin gilt, weshalb ich mich bei diesen Menschen hier herzlich bedanke.

Einen an der Marmel hab ich natürlich sicherlich, ohne Frage, aber wer hat das nicht...


Gruzz blumseltsam

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